Kerberos hat bei mir nur zwei Köpfe
Griechische Sagen faszinieren mich.
Nicht, weil darin alles erklärt wird. Eher im Gegenteil.
Da gibt es Licht und Dunkel, Mut und Angst, Ordnung und Chaos. Figuren, die Dinge tun, die man nicht unbedingt versteht. Und Wesen, die einfach da sind.
Zum Beispiel Kerberos.
Der Höllenhund bewacht in der griechischen Mythologie den Eingang zur Unterwelt.
Eigentlich hat er drei Köpfe.
Bei mir hat er nur zwei.
Die beiden sehen sich ratlos an.
Vielleicht überlegen sie gerade, wer heute aufpassen muss.
Oder ob überhaupt jemand kommt.
Beim Zeichnen wollte ich keinen bedrohlichen Hund.
Kein Monster, kein dämonisches Wesen.
Mich interessierte der Moment dazwischen:
Kerberos, wenn gerade niemand versucht, in die Unterwelt hinein- oder aus ihr herauszukommen.
Was macht ein Höllenhund in seiner freien Zeit?
Steht er herum?
Langweilt er sich?
Streiten die Köpfe miteinander?
Oder schauen sie sich einfach an und wissen auch nicht weiter?
Vielleicht ist Kerberos dann gar nicht furchteinflößend.
Vielleicht ist er einfach ein Hund mit einer ziemlich merkwürdigen Arbeitsstelle.
Und dann ist da noch der Eisenhut
In einer Überlieferung der griechischen Mythologie entsteht der Eisenhut aus dem Speichel des Kerberos, als Herakles ihn aus der Unterwelt ans Tageslicht bringt.
Eine hochgiftige Pflanze aus dem Sabber eines Höllenhundes.
Das erscheint mir ziemlich folgerichtig.